8. Station

Joachim Mötteli von Rappenstein, der Sohn des reichen und wegen seiner Prozesssucht übel bekannten Jakob Mötteli, trat das Erbe seines Vaters an und herrschte über Pfyn wie ein Tyrann. Er war in Händel und Raufereien verstrickt, verbot seinen Untertanen alte Rechte wie das Trinken von Traubensaft bei der Weinlese und tat alles dafür seinen Besitz und Reichtum zu mehren und die Rechte seiner Untertanen oder Schuldner mit Füssen zu treten. Er stellte Frauen nach und ging mit ihnen um „das Gott erbarm“, trieb Vieh, das sich verlaufen hatte in den eigenen Stall oder erntete nach eigenem Gutdünken auf fremden Äckern. Er verfolgte seine Gegner und schüchterte die Dorfbewohner so weit ein, dass sie sich kaum trauten Anklage gegen ihn zu erheben.
Die Schrecken, die er verbreitete und die Angst, die er einflösste, blieben noch lange Zeit an dem Gebäude haften, das prominent auf dem Städtlihügel trohnt. Das ehemalige Pfyner Schloss dient inzwischen als Primarschule. Doch wenn der Sturm recht entsetzlich durch die Kellerlöcher des Schlosses ächzt und heult, heisst es auch heute noch, der Geist des Mötteli sei wieder los und treibe sein Wesen wie in alter Zeit.

Im 3. Geschoss des Schlosses zu Pfyn soll noch im 19. Jh. auf einem Ofen die Jahreszahl 1519 mit dem Wappen der Mötteli von Rappenstein zu sehen gewesen sein. Wahrscheinlich liess Joachim von Rappenstein das Gebäude 1537errichten. Nach dem Tode Joachims wechselte Pfyn mehrmals den Besitzer (1560 Peter von Gundelfingen, 1567 Graf Otto von Eberstein, 1584 Wolfgang Wamboldt von Umstadt) bis es 1614 von der Stadt Zürich gekauft wurde und 200 Jahre unter Zürcher Herrschaft stand. 1804 übernahm Junker Johann Georg Escher von Berg am Irchel die Schlossliegenschaft, 1811 ging das Anwesen an Sophie von Erlach und Albert von Effinger, 1825 an Daniel Hoegger und 1830 an J.C. Entlibucher. 1838 erwarb die Gemeinde Pfyn das Anwesen und baute es 1861 nach einem Projekt Johann Joachim Brenners in ein Schulhaus um. 1989-94 wurde die Schulanlage durch den Architekten Werner Keller erweitert und umgebaut.
Von 1945 bis 1989 befand sich in zwei Schulzimmern das Dorfmuseum, eingerichtet vom Kantonsarchäologen Karl Keller Tarnuzzer und Primarlehrer Werner Walser, mit jungsteinzeitlichen Funden aus den Ausgrabungen im Breitenloh von 1944. Das Museum überdauerte unverändert 45 Jahre, bis es vor den Um- und Erweiterungsarbeiten aufgelöst und die Bestände in das Museum für Archäologie in Frauenfeld integriert wurden.

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