4. Station

„Das heutige Thurtal wurde durch mehrere Vorstösse des Bodensee-/Rheingletschers tief in die obere Süsswassermolasse eingeschnitten,
wobei sich verschiedene Felsbecken bildeten. Beim endgültigen Rückzug des Gletschers wurden die Felsvertiefungen vorerst mit Moränenablagerungen,
später mit feinkörnigen Seesedimenten aufgefüllt. Letztere wurden im damaligen Thurtalsee zwischen Dätwil (ZH) und Weinfelden abgelagert. Über den Talfüllungen liegt der Thurschotter, welcher in der Späteiszeit durch die im Talboden mäandrierende Thur flächenhaft geschüttet wurde. Die Mächtigkeit des Thurschotters nimmt vom Weinfelder Becken talabwärts sukzessive
ab. Auf dem heutigen Talboden liegen über dem Thurschotter überall Schwemmsedimente oder Schwemmlehme als jüngste Ablagerungen
der Thur und der Seitenbäche. Der eigentliche durchgehende Thur-Grundwasserstrom beginnt unterhalb der Felsschwelle von Bürglen und erstreckt sich über rund 30 km Länge bis nach Gütighausen (ZH). Die grösste Breite erreicht er bei Müllheim mit etwa 2,2 km.“

Die Thur präsentiert sich seit ihrer ersten Korrektion von 1890 als «gezähmter» Wildbach, eingebettet zwischen künstlichen Hochwasserdämmen. Je nach Niederschlagsereignis im Einzugsgebiet bringt sie grosse Wassermassen
in das dicht besiedelte und landwirtschaftlich intensiv genutzte Thurtal. In den späten 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts brachen die Hochwasserschutzdämme kurz nacheinander und bescherten dem Thurgau kaum
gesehene Überschwemmungen. Darauf wurden Projekte zur Verbesserung des Hochwasserschutzes erarbeitet. Die mehr als hundert Jahre alten Hochwasserschutzbauwerke weisen verschiedene Defizite auf. Infolge des vorhandenen Ungleichgewichts im Geschiebehaushalt frisst sich die Flusssohle
immer tiefer ein.

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